Unter Tage in Potosí

23 Jul 2018

Nachdem wir die Laguna-Route gemeistert hatten, verbrachten wir zur Erholung zwei weitere Tage auf Maurizios Campingplatz in San Pedro. Nachts sanken die Temperaturen jetzt nicht mehr unter den Gefrierpunkt, was sich für uns wie Sommer anfühlte.

Nach einem kurzen Einkauf ging es über Calama wieder zurück nach Bolivien, dieses Mal allerdings über die Hauptverkehrsroute und nicht mehr quer durch die Natur.

Während wir beim Grenzdörfchen Ollagüe unser Wasser zum letzten Mal aus einer Wasserleitung auffüllten, bot sich uns ein komisches Bild: Aus einem Lautsprecher dröhnte DJ Bobo durch das ganze Dorf, doch war kein einziger Mensch zu sehen. Ob das wohl an der Musik lag?

 

Zwei Tage später waren wir bereits wieder in Uyuni. Der Elektroniker-Dude konnte unseren Umrichter natürlich nicht reparieren und gab ihn uns kaputt wieder zurück. Wir waren also weiterhin (Wechsel-)stromlos.

 

Am nächsten Nachmittag fuhren wir weiter nach Potosí, einer geschichtsträchtigen Stadt, wie wir bald herausfanden.

 

Potosí, das am Berg Cerro Rico auf über 4000 m.ü.M. liegt, wurde von den Spaniern im Jahr 1545 als Bergbausiedlung gegründet. Da der Cerro Rico, dt. Reicher Berg, reich an Edelmetallen wie Silber war, erlebte Potosí bald seine Blütezeit. Schon im 17. Jahrhundert wuchs die Stadt zu einer der grössten der Welt und wurde zur Hauptquelle des spanischen Silbers. Die geförderten Mengen Edelmetalle waren so riesig, dass als Konsequenz eine weltweite Inflation des Silberpreises folgte. Der Reichtum der Kolonialherren hatte aber seinen Blutpreis: Seit dem 16. Jahrhundert hat der Untertagebau in den Minen bereits über 8 Millionen Menschenleben gefordert. Heute sind noch zirka 15'000 Menschen unter Tage beschäftigt. Anstelle von Silber wird heute vor allem Kupfer, Zink und Blei gefördert. Die Bedingungen sind noch immer prekär, so dass die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mineros bei 40-45 Jahren liegt. Im Schnitt sterben noch immer 6 Menschen monatlich in den Minen.

 

In Potosí konnten wir Brunhilde im Innenhof eines Hotels abstellen, wo wir auch übernachten durften und ein (wenig einladendes, um nicht zu sagen ekelhaftes) Bad und eine Dusche zur Verfügung hatten.

 

Wir verbrachten drei Tage in der alten Kolonialstadt. Wir besuchten Sehenswürdigkeiten, etwa die Casa de la Moneda, und genossen das gastronomische Angebot. Das Highlight unseres Aufenthalts in Potosí war die Führung durch eine Mine, wo noch immer gearbeitet wird. Mit sechs anderen Teilnehmenden wurden wir erst zum «mercado de los mineros» geführt, wo wir Geschenke für die Minenarbeiter kaufen konnten. Dies wurde von den Arbeitern erwartet und so konnte man etwa einen Sack Snacks und Coca-Blätter kaufen oder eine Stange Dynamit. Kein Witz! Potosí ist der einzige Ort auf der Welt, wo JEDE/R einfach so Dynamit kaufen kann. Mit einem Sack Snacks und einer Stange Dynamit bewaffnet ging es also zum Eingang der Mine auf 4200 m.ü.M.

 

Der Rundgang war sehr eindrücklich und interessant. Mal ging es steil herunter, dann konnte man fast nur kriechend gehen, dann war man wieder in Katakomben, die an die Indiana Jones-Filme erinnerten. Jeder Arbeiter, den wir antrafen, erhielt von unserem Guide Antonio eines unserer Geschenke.

 

Auch mit dem Schutzheiligen der Mineros wurden wir bekannt gemacht: Satan.

Ihm werden Alkohol, Tabak und Coca-Blätter geopfert, damit er die Stollen nicht einstürzen lässt und den Arbeitern grosse Edelmetallmengen beschert, denn die Mineros arbeiten auf Provision.

Drei Stunden später waren wir wieder an der Oberfläche. Wir waren nur in den ersten 4 «Stockwerken» von insgesamt 17 unterwegs. Selbst dort war das Grollen der Sprengungen unter uns deutlich spür- und hörbar. Der dabei entstehende Geruch erinnert stark an unsere 1. August-Frauenfürze.

 

Nach unserem Aufenthalt in Potosí fuhren wir mit einem Übernachtungshalt nach Sucre, der Hauptstadt Boliviens. Hier sind wir wieder einmal für eine Woche in einem AirBnB und geniessen die vollausgerüstete Küche, die täglichen Duschen und das schnelle Internet.

 

Übrigens: In Potosí hatten wir, nach 125 Tagen, das erste Mal seit Bariloche in Argentinien wieder einmal Regen.

 

 

 

 

Die ungefähre Reiseroute dieses Artikels:

 

 

 

 

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