Endlich wieder unterwegs

4 Jun 2018

Surprise, surprise: Es war Freitag und die ersehnten Ersatzteile waren noch immer nicht in Santiago angekommen. Immerhin hat sich der Status des Paketes mit den Federn und Stossdämpfern von «Im Exportzentrum» zu  «Im Zielland eingetroffen» und weiter zu «Im Verteilzentrum» geändert, was uns schon mal hoffen liess.

 

Es war Pfingstwochenende und obwohl dies in Chile nicht gefeiert wird, war der Montag ein Feiertag, an dem der Sieg über Bolivien und Peru in einem lange vergangenen Krieg gedacht wurde, wie wir von einer Chilenin erfuhren.

 

Wir fuhren zur Pazifikküste nach Cachagua und trafen Megan und Nick, zwei junge Overlander, die mit ihrem Toyota und Offroadanhänger inklusive Dachzelt aus Kalifornien bis nach Chile gefahren sind. Wir hatten einen lustigen, aber kalten Abend direkt am Strand.

 

Es war schon dunkel, als wir ankamen, deshalb sahen wir erst am nächsten Morgen all die kleinen und grossen Villen entlang der Küste. Wie wir später erfuhren, ist Cachagua ein Ferienort für die reichen Chilenen. Den Gipfel bildete eine Villa, direkt an einem steilen Hang mit eigenem Helikopterlandeplatz. Natürlich mit "geparktem" Helikopter.

 

 

Bevor sich unsere Wege wieder trennten, spazierten wir den Küstenpfad entlang und genossen die hübsche Umgebung. Nick und Megan machten sich auf den Weg südwärts und wir zwei Richtung Osten. Pat und Neil, die beiden älteren Engländer mit ihrem Truck, die wir bereits in Montevideo kennengelernt hatten und später auf der Carretera Austral noch einmal trafen, waren ganz in der Nähe. Sie hatten es sich in San Felipe auf einem leeren Grundstück gemütlich gemacht und waren bereits seit zehn Tagen da und arbeiteten an ihrem Truck, als wir eintrafen. Später schaute der Besitzer des Grundstücks vorbei und wir wurden eingeladen, so lange zu bleiben, wie wir möchten. Am Dienstag bekam Stefan eine E-Mail vom DHL-Office in Santiago, dass das Paket endlich angekommen sei. Nach 6 Wochen! Stefan fuhr die drei Stunden nach Santiago und zurück alleine, während Etta auf dem temporären Campingplatz blieb. Zu unserer Überraschung waren bei der Abholung keine Zollgebühren fällig, obwohl sonst mindestens 25% üblich waren. Naja, wir beschwerten uns natürlich nicht.

 

Am nächsten Tag machte sich Stefan mit Neils Hilfe an den Einbau. Die ganze Reparatur war überraschend einfach und schnell erledigt. Keine verrosteten Schrauben erschwerten die Arbeit und nach zwei bis drei Stunden war unsere Brunhilde dank neuen dickeren Federtellern hinten ganze 5 cm höher. Zu viert verbrachten wir einen dritten und letzten Abend zusammen.

 

Am nächsten Mittag konnten wir endlich weiter nordwärts fahren! Bis zum Sonnenuntergang fuhren wir die Autobahn nach La Serena hoch und übernachteten dort an einer Copec-Tankstelle. Frisch geduscht (Duschen werden bei vielen Copecs für umgerechnet 1.25Fr. angeboten) und vollgetankt ging es am darauffolgenden Morgen weiter. Wir folgten der Ruta 5 den ganzen Tag bis nach Chañaral. Während der Fahrt buchten wir eine Führung für das Paranel Observatorium, die für den nächsten Tag angesetzt war. In Chañaral assen wir in einem kleinen Restaurant zu Abend. Zu Stefans Unterhaltung hatte sich Etta ein Poulet-Menü bestellt, bei dem der Hauptgang aus etwa allem bestand, was ein Huhn hergab, und auch entsprechend roch. Am nächsten Morgen hatten wir noch knapp 300 km vor uns bis zum Observatorium.

 

Die Tour war kostenlos, in Englisch- und Spanischsprechende unterteilt und sehr spannend. Das VLT (Very Large Telescope), welches sich auf dem Cerro Paranal befindet, soll, nach Angaben des Führers, das derzeit leistungsstärkste Observatorium der Welt sein. Es besteht hauptsächlich aus vier grossen Teleskopen, die zusammengeschaltet in die fernsten Ecken des Universums blicken können. Leider wurden genau jetzt die Teleskope neu kalibriert, weshalb wir zwar keines davon betreten, jedoch immerhin einen Blick in den Kontrollraum werfen konnten. Auf dem Berg nebenan entsteht bereits das nächste Observatorium der ESO. Dieses trägt den kreativen Namen ELT, also «extremely large telescope». Auch die Schweiz ist an der ESO beteiligt, ganz umsonst war die Tour also nicht, da wir diese mit unseren Steuern finanziert haben.

 

Auf der Tour lernten wir Martin und Christin kennen, zwei in Südafrika lebende Deutsche, die mit ihrem Toyota Landcruiser bereits seit fünf Jahren unterwegs sind. Zusammen suchten wir in der Wüste ein Plätzchen für die Nacht. Wir folgten einem sandigen Track und hörten plötzlich einen lauten Knall von unten. Beim Schlafplatz angekommen kontrollierten wir den Unterboden Brunhildes und fanden eine grosse Beule in der Motorschutzwanne. Auf den ersten Blick schien aber sonst alles in Ordnung.

In dieser “Mondlandschaft“ verbrachten wir einen tollen Abend. Die beiden Reisenden waren grosse Afrika-Fans und erzählten von ihren Geschichten.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter. Zurück auf der Hauptstrasse kontrollierte Stefan, ob wirklich alles in Ordnung war. Dann der Schock: Wir verloren Öl. Zum Glück waren Martin und Christin noch nicht weg, denn die hätten uns im schlimmsten Fall abschleppen müssen. Wir demontierten die Schutzwanne unter dem Motor. Zu unserer Erleichterung war es kein Motorenöl, das auslief, sondern «nur» Servoöl. Durch den Aufprall wurde ein Schlauch halb abgerissen, den Stefan aber wieder reparieren konnte. 60 Kilometer weiter, in Antofagasta, konnten wir das ausgelaufene Öl schnell wieder auffüllen. Glück gehabt, das hätte wirklich doof enden können...

 

 

Nachdem unsere Vorräte wieder aufgefüllt waren, machten wir uns auf den Weg zur «Mano del desierto» einer aus dem Sand ragenden Hand. Auf dem Hügel dahinter verbrachten wir vier schöne Tage bei etwa 30 Grad im Schatten und genossen die Ruhe der Wüste.

 

 

 

Die ungefähre Route dieses Artikels: 

 

 

 

 

 

 

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