Wo bleibt unser Paket?

17 May 2018

Den dschungelartigen Camping Suizo hatte wir fast für uns alleine. Das ist auch einer der Vorteile, wenn man ausserhalb der Saison unterwegs sein kann. Corinne und Denis kamen später ebenfalls auf den Campingplatz und quartierten sich mit ihrem orangen Luis-Fernando neben uns ein.

Nach knapp einer Woche in Mendoza war es für uns Zeit, weiter zu ziehen, auch wenn die grüne und sympathische Stadt viel mehr zu bieten hat als nur Weingüter. Wir erwarteten in der folgenden Woche unsere Ersatzteile, die Stefans Tante aus Berlin nach Santiago geschickt hatte. Bevor es zurück nach Chile ging, wollten wir (also vor allem Etta) noch ein paar Weingüter in der Gegend besuchen. Raquel und David, zwei Overlander aus Kalifornien, die wir auf Instagram followen, waren ebenfalls in Mendoza und so war schnell ein «Doppeldate» organisiert. Wir trafen uns bei einem idyllischen Bed&Breakfast auf dem Land inmitten von Reben und Olivenbäumen. Mit Mietvelos klapperten wir einige nahe gelegenen Kellereien ab. Abklappern ist das passende Wort, waren die Velos doch in einem eher grenzwertigen Zustand und schafften die Tour nur mit Mühe. An diesem Sonntag hatte zwar nur das von Franzosen geführte Gut Carinae geöffnet, doch die kleine Führung mit anschliessender Degustation hat sich gelohnt. Anschliessend wurden wir im B&B zum Asado eingeladen, was wir natürlich dankend annahmen. Der Abend mit Raquel und David und dem lustigen Asador war sehr unterhaltsam. Mit uns am Tisch waren noch zwei ältere, vielgereiste Overlanderpaare aus Belgien und den Niederlanden. Das Essen schmeckte unglaublich gut! Die Argentinier mögen ihr Fleisch zwar durchgebraten, was normalerweise nicht unserer Vorliebe entspricht, doch der Asador verstand sein Handwerk und lieferte im Fünfminutentakt leckeren Nachschub vom Grill, bis wir alle fast aus den Nähten platzen. Übernachten konnten wir auf dem Parkplatz direkt neben den Reben, wo wir dann zu viert den Abend bei einem letzten Glas Wein ausklingen liessen.

 

Am Tag darauf verabschiedeten wir uns von unseren neuen Freunden und machten uns auf den Weg zum Weingut Ojo de Agua, welches dem Schweizer Dieter Meier von Yello gehört. Etta hatte uns einen Tisch zum Mittagessen reserviert und wir genossen in der nicht zu heissen Sonne mit Blick auf Reben und Berge ein weiteres leckeres Mahl. Eine Führung hatten wir hier nicht, dafür aber eine ausgezeichnete Weinbegleitung mit einem freundlichen und sehr professionellen Kellner. Wir liessen uns sehr viel Zeit beim Essen und blieben noch ein ganzes Weilchen sitzen, bevor wir uns wieder ins Auto wagten.

 

Wir verbrachten die Nacht an einem hübschen Plätzchen in der Nähe. Am nächsten Morgen wollten wir vor dem Grenzübertritt noch unsere leere Gasflasche tauschen. Die YPF-Tankstelle in Upsallata, dem letzten grösseren Dorf vor der Grenze, war aber bereits ausgeschossen und bekam erst am nächsten Tag wieder eine Lieferung. Von einem Angestellten bekamen wir den Tipp, dass gleich um die Ecke jemand Gasflaschen verkauft. Wir schauten also vorbei, waren aber nicht ganz überzeugt; das Ganze sah eher nach einem Hinterhof-Bastelladen aus. Doch die Unlust auf eine weitere kalte Nacht liess uns unsere Gasflaschen trotzdem hier tauschen. Wir fuhren die restlichen 100 km bis über die Grenze und hielten am nächstbesten Ort. Dann der Schock: Zwischen Druckreduzierventil und Gasflasche trat Gas aus. Zwar nicht viel, aber man roch es und die Flasche so über Nacht im Auto zu lassen wäre lebensgefährlich. Zum Glück ist unser Anschlussschlauch lange genug, um die Gasflasche ausserhalb des Autos abzustellen und trotzdem heizen zu können. Immerhin befanden wir uns auf über 2800 müM und es ist hier bereits Herbst.

 

Der Wecker weckte uns früh. Wir mussten die 100 km zurück nach Upsallata fahren, um die Gasflasche mit dem zerschlissenen Gewinde zurückzugeben. Wir verlangten unsere leere Gasflasche zurück und gingen zur Tankstelle und tauschten sie dort gegen eine volle. Der Typ, der die Flasche zurücknahm, hatte zwar sichtlich keine Freude, gab uns aber unser Geld ohne grössere Diskussion zurück. Das Positive war wenigstens, dass wir eine Nacht gratis heizen konnten.

 

Zurück in Chile, nach drei Grenzübertritten in 24 Stunden, steuerten wir müde die Copec-Tankstelle unseres Vertrauens nahe dem Flughafen von Santiago an und schliefen uns aus.

 

Am nächsten Morgen war unser Packet noch nicht beim DHL Office angekommen und auch bei der Chilenischen Post, Correos de Chile, wusste niemand, wo sich dieses aktuell befindet... Vermutlich beim Zoll, meinte man und wir sollten in einer Woche nochmals vorbeikommen.

 

Wir stellten uns die Frage, wie wir die Zeit überbrücken konnten. Zum Glück waren Paul und Brigitta, die wir bereits zwei Mal getroffen hatten, gar nicht so weit von uns entfernt. Nach ein paar SMS machten wir auf den Weg Richtung Süden und trafen sie sie schliesslich einen Tag später in einer Bäckerei im Dorf Santa Cruz.

Den Abend verbrachten wir ausserhalb des Städtchens zwischen Kakteen unter klarem Nachthimmel, wo wir noch bis spät unsere Geschichten austauschten.

 

Die nächsten zehn Tage waren wir zusammen unterwegs. Wir besuchten das biodynamische Weingut Viña Hacienda Araucano von François Lurton und bekamen eine ausserordentliche Degustation vom Venezolaner Daniel. Weiter besuchten wir das grosse Weingut Viu Manent, wo wir auch übernachten durften, sowie die kleine Kellerei Las Niñas. Im Restaurant des Gutes Montes genossen wir ein leckeres Mittagessen mit Aussicht auf die Reben.

 

Wir verbrachten dann einige Tage in der Reserva Nacional Río de Los Cipreses.

Zuversichtlich, dass unser Paket bald ankommt, genossen wir die letzten Tage zusammen in den Bergen bei unserem Flussplätzchen, nahe den Baños Colinas.

 

Wir haben Paul und Brigitta sehr ins Herz geschlossen und hatten eine tolle Zeit zusammen. Mit ihrem Land Cruiser namens Mahangu haben sie schon die halbe Welt bereist und immer sehr unterhaltsame und auch spannende Geschichten zu erzählen.

Wir lernten auch Arno kennen. Der Bündner, der in den zahlreichen Tunnels und Minen in der Gegend arbeitet, war zweimal bei uns auf «Besuch» und freute sich, endlich wieder einmal Schweizerdeutsch sprechen zu können und er konnte uns viel über Chile erzählen.

 

Inzwischen warten wir schon über einen Monat auf unsere Ersatzteile und noch immer wissen wir nicht mehr. Wir bezogen jetzt nochmals für fünf Tage unser letztes AirBnB in Santiago und hoffen, dass das Packet diese Woche ankommt.

 

 

 

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