Gletscher, Berge und neue Freunde

7 Feb 2018

Die drei Tage in unserem AirBnB in Ushuaia vergingen wie im Flug. Wir genossen es, wieder einmal in einem richtigen Haus zu wohnen: Die Wärme, täglich warme Duschen, halbwegs schnelles Internet und Essen hatten wir auch genug für die ganze Zeit. Es gab also keinen Grund, einen Schritt aus dem Haus zu machen. Und das taten wir auch nicht – ausser vielleicht, um mal etwas aus dem Bus zu holen. Wir verbringen ja sonst den ganzen Tag draussen, und so hatten wir deswegen auch gar kein schlechtes Gewissen.

Doch kam irgendwann der Tag, an dem wir unsere Sachen wieder packen mussten. Wir verabschiedeten uns von Adolfo, unserem Host, und machten uns auf den Weg.

Oberhalb von Ushuaia liegt der Martial Gletscher, der in etwa zwei Stunden zu Fuss erreichbar ist. Die perfekte Gelegenheit, um den Bewegungsmangel der letzten Tage wenigstens ein bisschen auszugleichen. Die Wanderung war eigentlich ganz schön, wären da nicht Dutzende anderer Touristen gewesen, die zum Teil in modischen Lederstiefeln versuchten, den Gletscher zu erreichen. Auch war vom Gletscher leider nicht mehr allzu viel übrig, gelohnt hat sich der Ausflug aber trotzdem.

 

Unser nächstes Ziel war der Nationalpark westlich von Ushuaia. Auf halbem Weg dahin entschieden wir uns aber, umzukehren. Es wurden 20 CHF Eintritt verlangt und rund herum gibt es genauso viel Natur.

Wir machten uns also auf den Weg zur Ruta J, die zum südlichsten Punkt von Argentinien führt, der mit dem Auto erreicht werden kann.

Es war schon spät, deshalb übernachteten wir erneut beim Rio Olivia ein paar Kilometer ausserhalb von Ushuaia. Dort trafen wir auf vier Schweizer, die bereits den ganzen Weg von Alaska nach Feuerland hinter sich hatten. Zwei davon waren Patrick und Nadine, sie sind etwa in unserem Alter und ebenfalls mit einem VW T4, in Blau, unterwegs, und mit ihnen sowie mit Elvira und Ruedi verbrachten wir einen lustigen Grillabend und erzählten einander amüsante Reisegeschichten. Später gesellte sich noch ein Deutsch-Holländisches Paar zu uns.

 

Am nächsten Tag füllten wir unsere Wasservorräte auf und tankten unsere Brunhilde voll.

100 km Schotterstrasse lagen vor uns bis zum «Ende der Welt». Die Strasse führte erst durch dichte Wälder, dann direkt am Beagle-Kanal entlang. Über einen kleinen Umweg kamen wir an einem kleinen Fischerdorf vorbei, direkt gegenüber vom Ort Kap Horn, wo man frisch gefangenen Fisch direkt in einem kleinen Restaurant essen konnte. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und legten einen Mittagsstopp ein.

Getränkt und gesättigt ging es danach wieder der Ruta J entlang. Bei einer Estancia auf dem Weg konnte man sich die Erlaubnis holen, auf den riesigen Ländereien beidseits der Ruta J übernachten zu dürfen. Das taten wir und auf der Suche nach einem schönen Plätzchen trafen wir wieder auf Nadine und Patrick mit ihrem T4, die uns überholt hatten und bereits wieder auf dem Rückweg vom Ende der Strasse (und der Welt) waren.

Wir fanden ein schönes Plätzchen, direkt an einem Bach, und verbrachten den Abend zusammen am Feuer.

Da die beiden bereits nächsten Monat nach Hause fahren, bekamen wir von ihnen einen neuen Luftfilter, Pollenfilter und ein paar Ersatzlämpli fürs Standlicht geschenkt, sowie schon gelesene Reisebücher. Danke nochmals! Im Gegenzug versorgten wir sie an dem Abend mit Apero, Bier und Wein. Wir plauderten bis spät in die Nacht, und genossen die Wärme eines Lagerfeuers.

 

Am nächsten Morgen gab es frischen, von Stefan handgemahlenen Kaffee, dazu einen feinen Milchschaum von Patrick, bevor sich unsere Wege wieder trennten.

Wir setzten unseren Weg ans Ende der Welt fort. Infolge einer Reihe blöder Umstände stürzte unsere Drohne irgendwo in einem steilen, dschungelartigen Waldgebiet, einige hundert Meter von der Strasse entfernt, ab. Nach einer einstündigen Suchaktion konnten wir sie aber glücklicherweise, nicht weiter beschädigt und unter den neugierigen Augen eines Guanakos, bergen. 

Das «Ende der Welt» bestand dann schliesslich aus einem Häuschen mit einer riesigen Antenne für den Schiffsverkehr. Wir genossen kurz den Augenblick bevor wir dann wieder umkehrten. Der Weg ist ja schliesslich das Ziel.

Der Rückweg war fast schöner als der Hinweg und wir durchquerten mehrere Male einzelne Regenwolken, die sich heftig über uns entluden, bevor es wieder dem Sonnenschein entgegenging.

 

Übernachtet haben wir nochmals nahe unserem letzten Platz, direkt am Kanal.

Am nächsten Morgen mussten wir feststellen, dass wir einen Platten hatten. Im linken vorderen Reifen steckte, vermutlich von einer der zahlreichen Holzbrücken, ein abgebrochener Nagel. Zum Glück hatten wir einen Kompressor dabei, denn so konnten wir den Pneu wieder aufpumpen und jeweils ein paar Stunden fahren bevor dieser wieder schlappmachte.

In Ushuaia parkten und übernachteten wir mitten in der Stadt auf einem öffentlichen Parkplatz, wo es von anderen Overlandern wimmelte. Eigentlich übernachten wir nicht gerne in Städten, aber in Ushuaia ist das Sicherheitsproblem wohl nicht so gross und in der grossen Gruppe fühlt man sich auch sicher. Brunhilde war übrigens das kleinste Fahrzeug weit und breit. 

 

 

Zum ersten Mal seit langem besuchten wir mal wieder einen Pub und gingen anschliessend in einem hübschen Restaurant mit toller Atmosphäre lecker essen. Es gab eine halbe Flasche Malbec aus Mendoza, dazu ein Rindsfilet für Stefan und einen Lammbraten für Etta. Zurück bei Brunhilde schliefen wir trotz Strassenlärm ein, und wachten um 4 Uhr morgens kurz auf.  Zum Glück gab es neben dem Parkplatz eine kleine Wiese, wo wir unser Revier markieren konnten, und nur von einem Taxifahrer gesehen wurden.

 

 

 

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