Am Ende der Welt

24 Jan 2018

Die nächste grosse Stadt auf unserer Reise, Rio Gallegos mit seinen knapp 100‘000 Einwohnern, haben wir praktisch übersprungen. Wir hielten zwar bei der Tankstelle, doch als wir erfuhren, dass die Duschen zurzeit kein Wasser hatten, zapften wir nur kurz Internet und fuhren dann schnell zum nächsten Supermarkt.

 

Danach machten wir uns sogleich auf den Weg zur Chilenischen Grenze. Die Chilenen sind etwas heikel, was den Import von frischem Gemüse und Fleisch betrifft, weshalb wir nicht noch an jenem Tag die Grenze überqueren konnten. Wir suchten uns also ein hübsches Plätzchen, um ein kleines Fressfest zu veranstalten. Schliesslich musste ja alles, was nicht über die Grenze durfte, noch «vernichtet» werden. Das Gebiet kurz vor der Chilenischen Grenze im Süden Argentiniens ist von Vulkanlandschaft geprägt und so fanden wir ein hübschen Platz, direkt an einem 50 Meter tiefen Krater, in dem ein kleiner See liegt. Natürlich machten wir eine Wanderung hinunter zum See.

 

 

Am nächsten Morgen kamen wir zur Grenze, zusammen mit vielen anderen Leuten, die ebenfalls die ganzen Formalitäten in den Büros erledigen mussten. Nach etwa einer Stunde war jedoch alles erledigt und wir konnten unsere Räder auf Chilenisches Staatsgebiet rollen. Wenn auch ohne Knoblauch, Apfel und Zitrone, die zwar das Festessen überlebten, nicht aber den Check (wie erwartet).

 

Bald erreichten wir die Magellanstrasse, welche den Atlantischen und Pazifischen Ozean miteinander verbindet und Feuerland vom Südamerikanischen Festland trennt. Die Fahrt mit der Fähre war sehr rau. Der Wind blies mit voller Kraft und nicht nur einmal schwappte das salzige Meerwasser über die Schiffswand und duschte die Fahrzeuge gründlich ab, auch unsere Brunhilde. Wenn man zuhause einen tagelangen Kampf gegen den Rost geführt hat, findet man das gar nicht lustig...

 

 

Trotzdem haben wir es nach Tierra del Fuego geschafft und nach einer kurzen Pause beim Gemeindezentrum haben wir unsere Reise frisch geduscht weiterführen können.

 

Der Chilenische Teil von Tierra del Fuego (den wir bis jetzt gesehen haben) besteht hauptsächlich aus unendlichen Steppen. So mussten wir noch einige Kilometer fahren, bis wir einen Platz zum Übernachten gefunden hatten. Der Grenzübertritt am nächsten Morgen bei San Sebastian zurück nach Argentinien und dessen Teil der Insel Feuerland war sehr unkompliziert und schnell erledigt.

 

Nach 12 km Schotterstrasse erreichten wir die Fortsetzung der Ruta Nacional 3, auf der wir bereits tausende Kilometer gefahren waren. Bald erreichten wir Rio Grande und durften feststellen, dass das Benzin auf Feuerland mit etwa 86 Schweizer Rappen pro Liter noch einmal etwas günstiger ist als im restlichen Patagonien. Da freut sich die Reisekasse, denn Benzin ist vermutlich das einzige, was im Süden günstiger ist als im Norden!

 

Nach einer Nacht direkt am Meer war die Landschaft am nächsten Tag von hohen Bergen und bizarren, durch den Wind verformten Wäldern geprägt.

 

In Tolhuin besuchten wir die legendäre und bei Overlandern so beliebte Bäckerei La Union. Ein wenig enttäuscht verliessen wir die mit Menschen überfüllte Bäckerei mit ein paar Süssgebäcken wieder und gingen zur nächsten Tankstelle und trafen die übelsten Tankstellenduschen seit langem an. Trotzdem duschten wir - immer noch besser als vier Tage ungeduscht - und setzten dann unseren Weg Richtung Ushuaia fort.

 

Wir übernachteten bei einer Aussichtsplattform auf dem Berg Cerro Jeujepen hoch über den Wäldern und hatten eine unglaubliche Aussicht.

 

 

Unterwegs sichteten wir einen T3 VW-Bus mit einem Luzerner Nummernschild. Wir hielten natürlich an und plauderten mit Corinne und Denis, welche auf dem Weg Richtung Norden waren. Wir tauschten Blogs (www.vanderlust.ch) und Telefonnummern aus. Vielleicht treffen wir die beiden ja wieder weiter nördlich.

 

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir kurz vor Ushuaia an einem schönen Plätzchen in einer Schlucht an einem Bach, umgeben von riesigen Bergen. Der Platz ist aber auch bei den Einheimischen sehr beliebt, demensprechend voll und laut war es. Nach Sonnenuntergang hatten wir dann unsere Ruhe.

 

Nun war es endlich soweit! Nach zwei Monaten unterwegs haben wir die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia erreicht! Zur Feier haben wir uns für drei Nächte ein kleines AirBnB-Hüttchen, etwas im Wald am Stadtrand gegönnt und geniessen jetzt hier die Zeit, den Luxus von mehr Platz, fliessend Wasser, Internet, einer Küche und eigener Dusche, bevor es wieder zurück in den Bus geht. Wer längere Zeit auf so kleinem Raum minimalistisch lebt, lernt die sonst selbstverständlichen Dinge auf einmal sehr zu schätzen.

 

 

 

 

 

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