Tankstellenromantik und Bergliebe

23 Dec 2017

Heute wollten wir die Grenze nach Argentinien überqueren. Wir waren schon sehr gespannt, ob alles gut gehen würde, hatten wir doch schon einige Male gelesen, dass der Grenzübertritt für Ausländer sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Auch dürfen keine frischen Lebensmittel über die Grenze genommen werden. So haben wir am Vortag mit allem, was nicht mitkommen durfte, ein kleines Festessen veranstaltet.

 

An der Grenze begrüssten uns freundlich drei uniformierte Herren und baten uns, auszusteigen. Vor unserem geistigen Auge sahen wir unseren Wagen bereits in Einzelteile zerlegt. Wir wurden gebeten, mit allen Dokumenten mit ins Büro zu kommen, doch schlussendlich mussten wir nur nachweisen, dass unser Auto in Argentinien versichert ist. Nachdem der Beamte endlich alles von Hand auf einem Zettel ausgefüllt hatte und ein anderer Beamte kurz in den Bus reingeschaut hatte, durften wir weiter zur Brücke über den Rio Uruguay fahren. Doch wussten wir nicht, dass man für die Überquerung des Flusses und der Grenze 160 Argentinische Pesos (knapp 10CHF) hinblättern muss. Mit der Karte zahlen ging nicht und natürlich hatten wir nicht genügend Bargeld dabei. Da wir aus dem Zollbereich nicht mehr rauskamen, liessen wir den Wagen stehen und liefen zu den Zöllnern zurück, um nach einem Bankomaten auf dem Gelände zu fragen. Den gab es natürlich nicht. Ratlos sahen wir uns an. Was jetzt? Ein Zöllner schien einen guten Tag zu haben und schenkte uns deshalb kurzerhand die fehlenden 120 Pesos.

 

In der argentinischen Grenzstadt Gualeguaychú haben wir alle Vorräte wieder aufgefüllt und unsere Brunhilde, die schon auf dem Reservetank lief, vollgetankt. Das Benzin war mit 1.44 CHF nicht viel günstiger als in Uruguay (1.55 CHF).

 

 

Auf dem Weg Richtung Süden bogen wir irgendwann von der Autobahn ab, um einen Schlafplatz zu finden. Das erwies sich als schwierig, da alles eingezäunt und privat war. Also fuhren wir zurück zur Autobahn und entschieden uns für eine weitere romantische Nacht an der nächsten Tankstelle. Die gute Seite daran ist immerhin, dass es meistens Duschen hat und das „agua caliente“ für unseren Mate aus dem Automaten kommt.

 

Die darauffolgenden Tage waren wenig erlebnisreich und wurden ebenfalls von Tankstellenromantik begleitet. In Zarate konnten wir endlich eine SIM-Karte besorgen, die wir aber erst ein paar Tage später aktivieren konnten. Wir mussten uns von einem Argentinier helfen lassen, da wir keine Ahnung hatten, wie wir die Karte registrieren sollten.

 

Wir haben ein paar Stunden mit André verbracht. Er ist in unserem Alter und übernachtete an derselben Tankstelle wie wir. André ist Brasilianer, seit 5 Monaten mit dem Fahrrad unterwegs und will ebenfalls nach Ushuaia.

 

Am darauffolgenden Tag hatten wir einen Campingplatz im Visier. Da es aber stark geregnet hatte, stand die Strasse unter Wasser und auch die Umfahrung dort hin war überflutet. Also noch einmal Tankstelle.

 

 

Die Overland-Götter waren uns dann doch noch gnädig gesinnt und wir fanden in Carhué einen schönen, preiswerten Campingplatz (mit weniger schönen Toiletten). Wir verbrachten dort ein paar gemütliche Tage und erholten uns von der Fahrerei.

 

Epuecén ist eine Ruinenstadt in der Nähe von Carhué. Die Stadt wurde 1985 vollständig überflutet, und blieb während 25 Jahren unter Wasser, und kann nun, nachdem das Wasser wieder zurückgegangen ist, besichtigt werden. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und übernachteten am Abend vorher wild am angrenzenden See. Die Stadt sieht aus wie eine ehemalige Kriegszone. Sie ist sehr beeindruckend und auf jeden Fall einen Besuch wert.

 

Sierra de la Ventana einige Kilometer südlich war unser nächstes Ziel. Endlich konnten wir wieder mal ein paar „richtige“ Berge sehen. Der höchste Gipfel der Bergkette liegt ganze 1200 M. ü. M., und die dahinführende Passstrasse erinnerte schon fast ein bisschen an zu Hause.

Sierra de la Ventana ist zwar etwas touristisch, dafür können wir hier auch wieder mal Wäsche waschen und uns ein paar Tage entspannen.

 

 

 

 

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