Das nicht mehr ganz so helvetische Nueva Helvecia

23 Dec 2017

An diesem warmen Tag in Durazno klingelte der Wecker zum ersten Mal seit langem um 7 Uhr morgens. Wir fuhren nach raschem Zusammenpacken Richtung Las Piedras, wo Etta um 11 Uhr für uns eine Weingut-Führung inklusive Wein-Degustation gebucht hatte (mehr dazu im separaten Artikel). Dank grosszügigen Häppchen, viel Wasser und zurückhaltender Degustation konnte Stefan uns danach noch zu einem nahe gelegenen Plätzchen unter einer Brücke fahren, wo wir ungestört nächtigen konnten.

 

Am nächsten Tag fuhren wir in das Dorf Nueva Helvecia, eine Schweizer Kolonie in Uruguay. Im 19. und 20. Jh. wanderten Schweizer nach Uruguay aus und gründeten ein kleines Städtchen. Mittlerweile lebt schon die vierte und fünfte Generation der ehemaligen Schweizer Auswanderer in Nueva Helvecia. Sie sprechen kaum noch Deutsch, geschweige denn Schweizerdeutsch. Trotzdem ist der erste August ein wichtiger Tag, an dem gross gefestet wird. Ein anderes grosses Fest ist das „Bierfest“, eine Mischung zwischen Openair-Festival und Oktoberfest. Das wollten wir es uns nicht entgehen lassen, weswegen Nueva Helvecia auf unserer Route lag.

 

Wir fuhren durch das Städtchen, das überall mit Kantonswappen dekoriert war, und die Strassen hatten Namen von Schweizer Städten, aber auch Frau Vogel oder Tell. Sonst war es aber wenig schweizerisch, wir kamen am Tagesmarkt jedenfalls mit Schweizerdeutsch nicht durch.

 

 

Den Platz auf dem Camping & Granja Hotel Suiza teilten wir mit anderen Europäern (Deutsche, Österreicher, Schweizer und Belgier). Am ersten Abend sassen wir bei einem Bierchen mit Alfred und Wolfgang und liessen uns zahlreiche Tipps geben und Geschichten erzählen. Beide sind erfahrene Overlander. Danach ging es zum Abendessen ins Restaurant, zum ersten Mal, seit wir mit Brunhilde unterwegs sind. Wir liessen es uns gut gehen, und assen ein gutes Stück Fleisch mit einem „Appenzeller Salat“ und einem guten Gläschen Tannat.

 

 

Am nächsten Tag schrieben wir trotz langsamem Wi-Fi neue Blogartikel. Gegen Abend machten wir uns dann auf den Weg zum Bierfest. Auf dem Festgelände (Eintritt umgerechnet ca. 5 Franken) kann man auf einer Art Markt vom Rasenmäher bis zum Jagdgewehr alles kaufen. Weiter vorne stehen die Festzelte und Bierstände (Schweizer Bier konnten wir keines entdecken, dafür wurde überall das Uruguayische Pilsner ausgeschenkt, dass unserer Meinung nach auch ganz gut ist) und Essensstände mit typisch uruguayischem Fastfood (Unser Favorit: Choripan, ein leckeres Wurst-Sandwich). Auf einer grossen Bühne spielen südamerikanische Bands Ländlermusik (meistens ohne Text, aber wenn, dann auf Spanisch). Eine sehr unterhaltsame Mischung! Es gab auch einige Chilbi-Bahnen. Der Abend war sehr lustig und unterhaltsam, ein Besuch hat uns jedoch gereicht. 

 

Am dritten Tag im Schweizer Camping machten wir einen Spaziergang zu einer Käserei (ja, mit würzigem, rassigem Käse!) und plauderten mit unseren Nachbarn.

 

 

Auf der Weiterfahrt am nächsten Tag verbrachten wir noch einige Stunden in Colonia, einer der ältesten Städte Uruguays (gegründet in 1680) und tranken den bisher besten Kaffee in Südamerika! Wir fuhren ein paar Kilometer nördlich am Río de la Plata und am Río Uruguay entlang und schlugen auf einem Gratis-Camping am Fluss unser Nachtlager auf. Unsere österreichischen Nachbarn vom Vortag hatten dieselbe Idee, und so verbrachten wir mit Peter und Traudel einen weiteren Abend voller spannender Geschichten.

 

 

Eigentlich wollten wir schon am nächsten Tag über die Grenze nach Argentinien fahren, aber da wir noch frisches Gemüse und Käse hatten, die wir nicht über die Grenze hätten mitnehmen dürfen, fuhren wir zur Grenzstadt Fray Bentos. Am Rand der Stadt, bei einer ehemaligen Fabrik gibt es einen schönen Park. Bei einem zusammengebrochenen Steg assen wir unsere restlichen Frischprodukte und lasen bis ziemlich spät.

 

 In der Nacht entlud sich ein fürchterliches Gewitter. Als das Unwetter vorüber war, fuhr ein Auto mehrere Male in Schritttempo an uns vorbei was uns sehr suspekt vorkam. Uns war so nahe an der Stadt schon nicht ganz wohl und so fuhren wir weiter und übernachteten bei der nächsten Tankstelle, einige Kilometer ausserhalb der Stadt.

 

 

 

 

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