Schnitzel, Unwetter und ausgesperrt

9 Dec 2017

Als wir in Richtung Melo aufbrachen, ahnten wir noch nicht, in welchem Zustand die Strasse war. Die letzten 20 km Schotterstrasse zum Nationalpark „Quebrada de los Cuvervos“ waren ja schon sehr holperig, doch diese, etwa gleich lange Strecke war in einem noch schlechteren Zustand. Zum Glück hatte unser Kompressor wieder einen 12V-Stecker und wir konnten unseren Reifendruck den Strassenverhältnissen anpassen. Was wirklich wahre Wunder wirkt!

Das Aufpumpen der Pneus am Ende der Schotterpiste war dann doch beschwerlicher als gedacht. Die Sicherung flog ständig raus und der Kompressor war langsam und hielt maximal 15 Minuten am Stück durch. Während wir also unfreiwillig am Strassenrand warteten, hielt fast jeder Fahrer an und bot Hilfe an, die wir dann jeweils dankend ablehnten. Das muss man den Leuten hier lassen: Sie sind wirklich sehr hilfsbereit.

 

Der Weg nach Melo war etwas länger als erwartet und so machten wir nur kurz bei einem Metzger Halt. Er konnte kaum glauben, dass zwei Schweizer in seinem Laden Schnitzel kaufen kamen und war deshalb völlig aus dem Häuschen. Ein paar Kilometer ausserhalb der Stadt fragten wir einen Bauern ob es für ihn okay wäre, in Sichtweite seines Hauses zu übernachten. Dieser hatte nichts dagegen und bot uns sogar noch Wasser an. Wir parkierten in einer alten, fast zugewachsenen Strasse und konnten uns endlich um unsere Schnitzel kümmern.

Am Tag darauf fanden wir beim Einkaufen in Melo endlich einen brauchbaren Gaskocher, inklusive Campinggaz-Kartuschen. Auch unser Bedürfnis nach einem schnellen Wi-Fi konnte endlich wieder befriedigt werden.

 

Auf halbem Weg nach Tacuarembó füllten wir an einer Tankstelle unsere Wasservorräte und Duschsäcke auf. Es war schon spät und wurde bald dunkel. Auf der Suche nach einem Schlafplatz bogen wir in eine kleine Schotterstrasse ein, doch nach knapp 10 Kilometern erfolgloser Suche kehrten wir wieder um und schlugen unser Nachtlager direkt an der Schotterpiste zwischen zwei Wäldern auf.

Den Blicken der vorbeifahrenden Bauern entnahmen wir, dass das Übernachten am Strassenrand wohl eher unüblich ist. Um uns Reklamationen zu ersparen, folgten wir der Strategie „nett-winken-und-immer-schön-lächeln“ wenn jemand vorbeifuhr. Erfahrungsgemäss funktioniert das immer recht gut.

In der Nacht zog ein heftiges Gewitter über uns hinweg und wir waren nicht mehr ganz so sicher, ob wir uns einen guten Platz zum Übernachten ausgesucht hatten. Vom Blitz getroffen wurden wir dann allerdings doch nicht und konnten am nächsten Morgen nach Tacuarembó weiterfahren.

 

 

Die Stadt war überraschend schön, sauber und grün. Wir deckten uns mit frischen Esswaren ein und fuhren auch gleich weiter. Die App „iOverlander“ versprach uns einen schönen Übernachtungsplatz an einem See umgeben von Wäldern ein paar Kilometer ausserhalb der Stadt. Der Platz war tatsächlich sehr schön. Die 24 Milliarden Brämen und das tote, halb verbrannte Tier (Schaf?) weniger. Ein paar Fischer waren da und aus dem Pickup einer Familie dröhnte lautstark Latinomusik (etwa die Sorte, die auch morgens um 03:00 im Roadhouse Luzern läuft). Obwohl wir in einiger Entfernung zum Kadaver parkiert hatten und bereits mit einem kleinen Apéro beschäftigt waren, wehte ein unangenehmer Geruch herüber. Stefan wollte kurzerhand noch ein Stück weiter weg und aus der Windrichtung fahren und schloss die Schiebetür des Busses. Klack - und alle Türen waren verschlossen. Etta hatte aus Vorsicht die Türen geschlossen, damit niemand unbemerkt von hinten an unsere Habseligkeiten kommen konnte. Stefan war das nicht bewusst und der Schlüssel steckte im Zündschloss.

Zum Glück waren die Fenster einen Finger breit offen.

Es dauerte schliesslich über zwei Stunden, bis wir unsere Brunhilde wieder aufbekamen. Mit der Hilfe eines Fischers und dessen Fischerrute aus Bambus konnten wir den Schlüssel im Zündschloss irgendwann soweit drehen, dass der Wagen einen Ruck nach vorne machte und wir nach weiterem Herumfummeln die Fenster elektrisch herunterfahren konnten... Juhu, doch noch ein Happy End!

 

 

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