Duschen mit Druck: Luxus!

10 Dec 2017

Die Nacht am See nahe Tacuarembó war wenig erholsam. Zum einen war es unglaublich heiss und zum anderen regnete es die ganze Nacht so stark, dass an Schlafen im Bus wegen des Krachs kaum zu denken war.

 

Wir mussten wieder mal unsere Wäsche waschen (ja, die Unterhosen haben wir schon mal umgekehrt). Wir stellten einen Wecker, um pünktlich um 08:30 unsere Wäsche in der Wäscherei in Tacuarembó abgeben zu können. Um 17:00 Uhr sollten wir sie wieder abholen können.

Auf der Suche nach einem Ort zum Duschen fanden wir schliesslich ein geöffnetes Hallenbad. Die Dame am Schalter schaute uns ein bisschen verdutzt an, als wir sie fragten ob es möglich wäre, nur zu duschen, ohne das Hallenbad zu nutzen, stimmte aber zu. In der Männer- und Frauenumkleide sass merkwürdigerweise jeweils eine/n Aufpasser/in an einem Schreibtisch und sorgte wahrscheinlich dafür, dass nichts geklaut wird. So duschten wir unter Aufsicht und mit für uns ungewohntem, herrlich starkem Wasserdruck. Etta war schneller fertig und kam mit der Dame an der Kasse ins Gespräch. Sie fand es so cool, dass wir mit unserem Van durch Südamerika reisen und in ihrer Stadt Halt machten, dass sie kein Geld von uns wollte und uns anbot, am nächsten Tag wieder vorbei zu kommen, falls wir dann immer noch in der Gegend wären. 

 

Etta hatte in der Nähe von Montevideo für den übernächsten Tag eine Weingutführung organisiert. Deshalb machten wir uns, sobald wir die Wäsche zurückerhielten und mit einem neuen, dichten 20l-Duschsack (Yeah!) auf den Weg.

In einem riesigen, schon ziemlich abgeholzten Wald fanden wir, halb versteckt hinter einer Kurve, ein Plätzchen und begannen unser Abendessen zuzubereiten. Von weit weg hörten wir die Kettensägen und dachten uns, dass wir hier niemanden stören würden.

Der Sicherheitsverantwortliche der Holzfällerfirma sah das leider etwas anders, als er uns während des Abendessens einen Besuch abstattete. Nach einer sehr netten Begrüssung erklärte dieser uns auf Spanisch, dass der Wald privat sei und hier gearbeitet werde. Er meinte, wir dürften fertig essen, müssten aber danach gehen. Während des Abwaschens, es war bereits dunkel, wollte uns schon der nächste, ebenfalls sehr nette Arbeiter zum Gehen auffordern. Stefan erklärte ihm, dass bereits ein Kollege hier war und wir am zusammenräumen waren. Ja, unser Spanisch ist schon langsam ganz brauchbar!

 

Auf dem Weg zur Hauptstrasse kamen wir an einem Meer von Glühwürmchen vorbei. Schon seit wir in Uruguay sind, sahen wir fast jede Nacht diese kleinen leuchtenden Insekten durch die warme Nachtluft fliegen. Hier waren es aber nicht ein paar Dutzend, sondern Tausende. Wir mussten einfach kurz anhalten und den Glühwürmchen beim Herumfliegen zusehen. So magisch der Anblick auch war, wir wollten uns kein drittes Mal verscheuchen lassen und fuhren zur Hauptstrasse und in Richtung Süden. Die Nacht war klar und von Sternen übersät, trotzdem war es zu dunkel, um einen brauchbaren und sicheren Standplatz für die Nacht zu finden. Da wir gesättigt und getränkt waren, entschieden wir uns einfach mal so weit zu fahren, wie wir konnten. Bis zum Weingut waren es ohnehin noch 350 Kilometer.

 

Nach etwa zwei Stunden Fahrt sahen wir auf der ewig geraden Strasse schon von weitem Pannenblinker blinken. Langsam fuhren wir mit ebenfalls eingeschalteten Pannenblinkern zur Unfallstelle. Ein Lastwagen mit Kühen im Anhänger stand quer auf der Strasse, zwei weitere Lastwagen waren auch schon da. Wir fuhren vorsichtig am LKW vorbei und boten unsere Hilfe an. Der Lastwagen war an der Vorderseite von unten bis und mit Scheibe heftig eingedrückt. Der Fahrer, der damit beschäftigt war, die Tiere zu beruhigen, meinte, er brauche keine Hilfe, es sei alles okay, es sei ein Tier gewesen, dass über die Strasse gerannt sei. Vom Tier sahen wir aber nichts mehr und angesichts der Schäden am LKW war es für uns unbegreiflich, wie dieses noch wegrennen konnte...

 

Nach dem Unfall war unsere Motivation weiterzufahren nicht mehr ganz so gross und wir hielten bei der nächsten Tankstelle, um dort zu übernachten. Praktisch, wenn am Morgen die Kaffeemaschine und ein richtiges Bad nur ein paar Schritte entfernt sind.

 

Dank der App „iOverlander“ fanden wir ein schönes Plätzchen nur etwa 30 Minuten von der Tankstelle an einem See. Ein ruhiger Ort, an dem wir den ganzen Tag und eine ganze Nacht ungestört verbrachten.

 

 

Am Tag darauf entdeckten wir einen Campingplatz, der aufgrund der Nebensaison noch gratis war und warme, saubere Duschen anbot. Wenn man mit wenig unterwegs ist, lernt man, die kleinen Dinge schätzen!

 

 

 

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