Informationen zur Verschiffung

Wie verschifft man sein Auto?

Wir haben es getan: Wir haben unseren VW-Bus von Europa nach Südamerika, genauer von Hamburg nach Montevideo verschifft. 
Wir suchten zunächst nach Informationen und Erfahrungen von anderen Schweizer Reisenden, was sich jedoch als schwierig herausstellte. Vielleicht kann dieser Artikel ja für zukünftige Reisende etwas Licht ins Dunkle bringen. 

 

Dieser Text beruht auf unseren Erfahrungen bei der Verschiffung nach Südamerika im Oktober 2017. 

 

Im Dezember 2016 haben wir uns dazu entschieden, für voraussichtlich ein bis eineinhalb Jahre in unserem selbst ausgebauten Volkswagen T4 Bus namens Brunhilde die Weiten Südamerikas zu entdecken. Ein genaues Ziel hatten wir noch nicht, der grobe Plan war, von Montevideo nach Ushuaia und anschliessend der Westküste entlang, im Zickzack zwischen Chile und Argentinien, immer Richtung Norden, vielleicht sogar bis nach Deadhorse in Alaska zu fahren. Mal sehen, ob wir es so weit schaffen.

 

Bevor man sich aber ins Abenteuer VanLife Südamerika stürzen kann, braucht es einiges an Geduld und Organisation. Im folgenden Text erkläre ich, wie wir das gemacht haben.

Wer verschifft mein Fahrzeug?

Das ist die erste Frage die es zu beantworten gilt. Den meisten wird vermutlich klar sein, dass es sich hier nicht um ein Kreuzfahrtschiff handelt, sondern um einen Cargo-Transport im industriellen Stil. Mit ein wenig Recherche im Internet erfährt man, dass man sich für sein Fahrzeug zwischen RORO (Roll on Roll off) oder Container entscheiden muss. Die RORO-Schiffe nehmen hauptsächlich rollende Ladung an Bord. Das Fahrzeug wird also nicht im Container transportiert, sondern auf das Schiff gefahren. Der Nachtteil ist die Sicherheit des Fahrzeuginhalts, da man am Hafen die Fahrzeugschlüssel abgeben muss, damit das Fahrzeug aufs Schiff gefahren werden kann. Dafür ist diese Art der Verschiffung meines Wissens wesentlich günstiger. 

 

Wir haben uns für RORO entschieden und etwa ein halbes Jahr vor der geplanten Verschiffung bei der Firma Seabridge (https://www.seabridge-tours.de) um einen Kostenvoranschlag gebeten. Das Unternehmen hat eine langjährige Erfahrung in der Wohnmobilverschiffung und arbeitet mit der Reederei „Grimaldi Lines“ zusammen.

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Termin festlegen

Wir hatten uns für eine Verschiffung Mitte Oktober entschieden und flogen nach der Übergabe des Fahrzeugs im Hafen von Hamburg nach Buenos Aires, um dort unser Spanisch noch ein bisschen zu pushen. Anschliessend fuhren wir eine Woche vor der geplanten Ankunft mit der Fähre nach Montevideo, um dort auf unseren Bus zu warten.

Die Fahrpläne der Reedereien können sich allerdings ändern. So bekamen wir erst etwa drei Monate vor der Verschiffung die Bestätigung und einen konkreten Termin von Seabridge. Bis im Oktober hatte sich der Termin noch einmal verschoben, so dass wir auf ein früheres Schiff umbuchen liessen. Das Fahrzeug muss zwei Werktage vor der geplanten Abfahrt im Hafen abgegeben werden. So überliessen wir unseren Bus am Freitag, 13. Oktober den Hafenmitarbeitern. Am Dienstag, 17. Oktober stach die „Grande Amburgo“ mit Brunhilde an Bord in See. 

Das Fahrzeug für die Verschiffung vorbereiten

Laut Seabridge muss das Fahrzeug für die Verschiffung „blickleer“ sein. Das bedeutet, dass alles in Schränken und Schubladen verstaut sein muss, damit das Fahrzeug bei einem flüchtigen Blick leer wirkt. Die Matratzen durften wir auf dem Bett lassen.

Um den Stauraum der vielen offenen Schränke und Ablageflächen in unserem Bus für unsere Sachen nutzen zu können, haben wir diese kurzerhand mit dünnen MDF-Holzplatten „verblendet“.

Für eine Verschiffung nach Südamerika ist keine gründlichere Reinigung notwendig (wie zum Beispiel nach Australien). Wir sind lediglich am Tag vor der Verschiffung durch die Waschstrasse gefahren und haben den Innenraum so gut es ging herausgewischt.

 

Wertsachen sollen unbedingt im Fluggepäck mitgenommen werden. 

Transportversicherung

Eine Transportversicherung für den Seetransport ist bei den meisten Reedereien obligatorisch. Wir konnten diese für das Fahrzeug und dessen Inhalt direkt über ein Formular von Seabridge abschliessen.

Abgabe am Hamburger Hafen

Die Fahrzeugabgabe am Hamburger Hafen war um einiges unkomplizierter als wir uns das im Vorfeld vorgestellt hatten: Beim Terminal O’Swaldkai in der Dessauerstrasse parkt man vor dem Bürogebäude. KFZ-Warnwesten sind auf dem Hafenareal obligatorisch. Im Warteraum zieht man ein Ticket und wartet mit den anderen, grösstenteils LKW-Fahrern.

Wenn man an der Reihe ist, legt man im Obergeschoss seine Fahrzeugpapiere, Führerausweis und Personalausweis vor und bekommt den Passierschein für die Schranke  und eine Karte des Hafenareals, auf der vermerkt ist, wo man hinfahren muss. 

Bei einem Container auf dem Hafengelände erhält man Anweisungen, wo das Fahrzeug zu parkieren ist. Ein weiterer Hafenmitarbeiter nimmt die bereits vorhandenen Schäden am Fahrzeug auf. Überraschenderweise wollte dieser gar nicht in den Bus schauen. Dabei hatten wir uns doch so viel Mühe gegeben mit den Verblenden! Der Tankstand wurde auch nicht kontrolliert, obwohl dieser höchstens zu einem Viertel voll sein darf. Zum Schluss entfernt man die Nummernschilder und geht zurück zum Container, wo man ein Formular unterschreibt, auf dem die Schäden vermerkt sind und gibt die Schlüssel ab. Fertig. 

Haftpflichtversicherung für das Fahrzeug in Südamerika

In der Schweiz war unser Bus bei der AXA Winterthur versichert. Der Deckungsraum gilt aber nur in Europa und in den ans Mittelmeer angrenzenden Staaten. Damit hätten wir in Südamerika keine Deckung gehabt. Das ist gemäss unserer Internetrecherche auch bei den anderen Schweizer Versicherungen der Fall.

 

Ohne Haftpflichtversicherung bekommt man den Wagen aber nicht aus dem Hafenareal in Montevideo raus. Nun, was jetzt?

 

Wir konnten für unseren Bus bei der Allianz Argentina eine Haftpflichtversicherung (Personen- + Sachschaden) abschliessen, gültig ein Jahr in den Staaten Argentinien, Uruguay, Paraguay, Brasilien, Bolivien und Chile und bei Bedarf verlängerbar. Preis: um die 400USD in unserem Fall. In anderen Staaten kann die Versicherung direkt an der Grenze oder im nächstgrösseren Ort gelöst werden.

MFK, Versicherung und Steuern

Wenn während der Reise auf einem anderen Kontinent das Aufgebot zur MFK eintrudelt, ist das denkbar unpraktisch. Die  Haftpflichtversicherung in der Schweiz kann man nicht in Anspruch nehmen, und dann sind da noch die Verkehrssteuern. Das Sparpotenzial für die Reisekasse ist also nicht zu unterschätzen.

 

Wir haben uns bei Schweizer Panamericafahrern und Überseereisenden erkundigt und uns dazu entschieden, es diesen gleich zu tun. Gleich vorne weg: Es handelt sich hierbei um eine Grauzone und wir überlassen es jedem selbst, wie er es machen möchte.

 

 

Wir haben uns vor der Abreise Plagiate unserer Nummernschilder anfertigen lassen. Diese kann man zum Beispiel bei www.turishop.ch bestellen. Die Schilder sehen offensichtlich anders  als die Originale aus und dürfen zum Fahren auf europäischem Boden nicht angebracht werden. In Südamerika fahren aber, bis auf sehr wenige Ausnahmen, alle Schweizer die wir bis jetzt getroffen haben mit den Nummernschildern von Turishop durch die Gegend. Und glaubt uns: es sind sehr viele Schweizer unterwegs! Die Originalnummernschilder haben wir nach der Abgabe des Fahrzeuges am Hafen zurück in die Schweiz an eine Vertrauensperson geschickt, die sie dann beim Strassenverkehrsamt abgegeben hat (zur Sicherheit erst, nachdem wir den Hafen von Montevideo verlassen hatten). 

 

 

Beim Abholen des Fahrzeugs in Montevideo haben wir die Kopien der Nummernschilder angebracht und durften so den Hafen verlassen. Wichtig ist, dass die Nummer dieselbe ist, wie im Originalfahrzeugausweis vermerkt ist. Diesen muss man unbedingt dabei haben. 

Das Fahrzeug ist dann in Europa ausgelöst und wird nicht zur MFK aufgeboten. Auch Versicherungen und Steuern müssen in der Schweiz nicht mehr bezahlt werden. Je nach Kanton kann man die Schilder während einer gewissen Zeit wieder abholen, bevor diese neu vergeben werden dürfen. In Luzern sind es beispielsweise 18 Monate.

Auch bei Grenzübertritten hatten wir bisher nie Probleme. Wenn überhaupt, wollen die Zöllner einen Versicherungsnachweis für das jeweilige Land sehen.

Abholung des Fahrzeugs in Montevideo

Bemerkung: Wir haben die Abholung mit Hilfe eines Zollagenten (Eduardo Kessler, vermittelt von Seabridge) gemacht. Vielleicht wäre das nicht notwendig gewesen, bestimmt hat es aber die ganze Sache vereinfacht. 

 

Nach unserer Ankunft in Montevideo hatten wir einen Termin beim Migrationsamt von Uruguay. Wir liessen die „Certificado de llegar“ ausstellen und brachten sie anschliessend zu Eduardo.

Einen Werktag vor der Rücknahme des Busses haben wir bei der Firma KMA Gebühren wie Einfuhrsteuer, Hafensteuer usw. in US$ bezahlt. Mit der Quittung konnten wir dann am Abholungstag die „Bill of Landing“ bei KMA abholen. Diese kann anscheinend erst ausgedruckt werden, wenn das Fahrzeug im Hafen ist. 

Um 9.30 Uhr warteten auch andere bereits darauf, ihre „Bill of Landing“ abzuholen. Wegen technischer Probleme konnten wir unser Exemplar erst eine Stunde später zu Eduardos Büro bringen. Da es schon fast Mittag war, gingen wir erst mal was essen. Um 14.00 Uhr sollten wir wieder zu ihm ins Büro kommen. 

Ein Paar aus England und ein Motorradreisender warteten ebenfalls. 

Mit dem Motorrad gab es formale Probleme und so ging Eduardo mit uns und den beiden Engländern zum Hafen. Während er am Schalter die Formalitäten erledigte, kontrollierten wir, ob mit unserem Bus und dessen Inhalt alles in Ordnung war. 

Alles war da und nichts kaputt, wir konnten also zum Zoll. 

Die Zollkontrolle war, um ehrlich zu sein, mehr ein Witz als eine Kontrolle. Der Zöllner verlangte, dass wir kurz die Heckklappe öffneten, schaute flüchtig rein und das war‘s. Bei den Engländern, die ein LKW-Wohnmobil hatten, schaute er auch kurz rein. Vermutlich aber nur aus Interesse am Fahrzeug. 

Der nächste Schritt war das Zollbüro, wo noch ein paar Angaben benötigt und der „Pass“ des Fahrzeugs ausgestellt wurden. Dieser ist sehr wichtig, um das Land verlassen zu können. 

Dann war endlich alles erledigt und wir konnten den Hafen verlassen und unsere Reise starten. 

Die Kosten

Die Gesamtkosten für die Verschiffung bestehen aus Hafengebühren, Zollgebühren, Versicherung und die Kosten für die Verschiffung selbst. Auch die Grösse des Fahrzeugs spielt ein Rolle. Für unseren Volkswagen T4 haben wir ziemlich genau 2'400 CHF bezahlt.

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